„Das hat mich total getriggert.“ Ein Satz, den wir heute immer häufiger hören.
Das Wort Trigger ist längst im Alltag angekommen – und wird dabei manchmal fast inflationär benutzt. Gleichzeitig steckt hinter diesem Begriff etwas sehr Echtes und Tiefgehendes. Denn getriggert zu sein bedeutet viel mehr, als einfach nur genervt, gestresst oder verletzt zu sein.
Es beschreibt einen Moment, in dem unser Nervensystem plötzlich Alarm schlägt – oft schneller, als wir bewusst verstehen können.
Was bedeutet „Trigger“ eigentlich?
Im therapeutischen Kontext stammt der Begriff ursprünglich aus der Traumatherapie. Gemeint ist damit ein Reiz in der Gegenwart, der eine alte emotionale Erfahrung aktiviert. Der Auslöser liegt im Hier und Jetzt. Die Intensität der Reaktion kommt jedoch aus der Vergangenheit.
Ein Trigger ist also nicht das Echo selbst – sondern der Auslöser, der dieses Echo in uns anstößt. Ein Trigger kann dabei alles Mögliche sein: ein Tonfall, ein Blick, ein Geruch, eine bestimmte Situation, ein Gefühl von Zurückweisung oder Überforderung. Plötzlich entsteht eine Reaktion, die größer wirkt, als der Moment es eigentlich rechtfertigt. Viele Menschen kennen diesen Moment: Du weißt rational, dass eigentlich nichts Dramatisches passiert ist – und trotzdem fühlt es sich innerlich riesig an. Vielleicht tauchen Gedanken auf wie: „Warum trifft mich das so sehr?“ oder „Ich reagiere total über“.
Gleichzeitig ist dein Körper voller Stress: Dein Herz schlägt schneller, du wirst traurig oder wütend, ziehst dich zurück oder verhältst dich auf eine Weise, die du selbst kaum verstehst.
Warum passiert das?
Wenn wir getriggert sind, wird etwas im Nervensystem aktiviert – nicht im bewussten Denken. Und das Nervensystem arbeitet schneller als der Kopf. Es reagiert ständig auf Sicherheit und Unsicherheit, auf Zugehörigkeit und Ausschluss. Wenn etwas in der Gegenwart unbewusst an eine frühere Erfahrung erinnert, springt dieses System an – oft ohne Vorwarnung. Deshalb fühlen sich Trigger so plötzlich und so intensiv an.
Getriggert sein bedeutet nicht, schwach zu sein
Viele Menschen schämen sich für ihre Trigger. Sie denken, sie seien zu sensibel, zu emotional oder „zu viel“. Doch ein Trigger ist kein Zeichen von Schwäche. Er ist ein Zeichen von Erfahrung. Er kann ein Hinweis darauf sein, dass etwas in uns noch nicht vollständig verarbeitet ist. Und genau so dürfen wir Trigger auch betrachten: Sie sind unangenehm – und gleichzeitig enthalten sie wichtige Informationen.Sie zeigen uns, wo alte Wunden noch sensibel sind, wo wir uns nach Sicherheit sehnen, wo wir lange angepasst haben oder wo unser System besonders wachsam ist. Trigger sind keine Feinde – Sie sind Wegweiser.
Sie machen sichtbar, was in uns Aufmerksamkeit braucht.
Ein sanfterer Blick auf dich selbst
Vielleicht hilft dir dieser Gedanke: Wenn du getriggert bist, reagiert nicht nur dein heutiges Ich. Auch frühere Versionen von dir sind gerade aktiv – und versuchen, dich zu schützen, so gut sie können. Das bedeutet nicht, dass jede Reaktion hilfreich oder sinnvoll ist.Aber sie ergibt Sinn, wenn man ihre Geschichte kennt.Und genau dort beginnt Veränderung.
Nicht mit Härte – sondern mit Verständnis.
