Therapeutischer Garten

Warum Meditation nicht für jeden entspannend ist

Juli 1, 2026 | Allgemein

 
 
 

Meditation gilt heute als eine der bekanntesten Methoden zur Stressreduktion. Zahlreiche Studien zeigen positive Effekte auf Wohlbefinden, Konzentration und emotionale Regulation. Gleichzeitig berichten viele Menschen von einer ganz anderen Erfahrung: Statt Ruhe zu finden, fühlen sie sich während der Meditation unruhig, angespannt oder sogar überfordert.

Woran liegt das?

 

Wenn Stille plötzlich unangenehm wird

Viele Menschen gehen mit der Erwartung in eine Meditation, dass sie sich danach automatisch entspannter fühlen. Doch sobald die äußere Ablenkung wegfällt und die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet wird, treten häufig Gedanken, Gefühle oder Körperempfindungen in den Vordergrund, die im Alltag sonst überdeckt werden.

Manche Menschen bemerken plötzlich innere Unruhe, Nervosität oder einen starken Drang, die Übung abzubrechen. Andere erleben intensive Gedankenketten oder fühlen sich emotional überwältigt.

Das bedeutet nicht, dass sie etwas falsch machen.

 

 

Das Nervensystem spielt eine wichtige Rolle

Aus körperpsychotherapeutischer und traumatherapeutischer Sicht hängt die Wirkung von Meditation eng mit dem Zustand des Nervensystems zusammen.

Wenn unser Nervensystem sich überwiegend in einem Zustand von Sicherheit und Regulation befindet, kann Meditation dabei helfen, Ruhe und innere Stabilität zu vertiefen.

Befindet sich das Nervensystem jedoch dauerhaft in Alarmbereitschaft, kann die Konzentration auf den eigenen Körper zunächst ungewohnt oder sogar belastend sein. Die Aufmerksamkeit richtet sich plötzlich auf innere Prozesse, die bislang durch Aktivität, Arbeit oder ständige Beschäftigung im Hintergrund gehalten wurden.

 

 

Warum Menschen mit Belastungserfahrungen anders reagieren können

Insbesondere Menschen mit belastenden Lebensereignissen oder traumatischen Erfahrungen berichten häufig, dass klassische Meditationsanleitungen für sie nicht hilfreich sind.

Aufforderungen wie:

– „Spüre deinen Körper“

– „Nimm deinen Atem wahr“

– „Schließe die Augen und werde ganz still“

können in manchen Fällen sogar Stress auslösen.

Der Grund dafür ist nicht mangelnde Achtsamkeit, sondern die Tatsache, dass Sicherheit im eigenen Körper nicht für jeden Menschen selbstverständlich ist.

 

 

Mehr Achtsamkeit bedeutet nicht immer mehr Stille

Oft wird Achtsamkeit mit Ruhe verwechselt. Tatsächlich bedeutet Achtsamkeit zunächst einmal, wahrzunehmen, was gerade da ist.

Manchmal ist das Ruhe.

Manchmal ist es aber auch Anspannung, Traurigkeit, Ärger oder innere Unruhe.

Eine achtsame Haltung bedeutet nicht, diese Erfahrungen wegzumachen, sondern ihnen mit Neugier und Mitgefühl zu begegnen.

 

 

Welche Alternativen gibt es?

Nicht jede Form der Achtsamkeit muss im Sitzen auf einem Meditationskissen stattfinden.

Für viele Menschen sind körperorientierte Zugänge zunächst hilfreicher:

– achtsames Gehen

– sanfte Bewegungsübungen

– Yoga

– Atemübungen

– bewusstes Wahrnehmen der Umgebung

– Sport und Bewegung mit Körperfokus

Auch diese Formen können dabei helfen, die Verbindung zum eigenen Körper und Nervensystem zu stärken.

 
 

 

Fazit

Meditation ist ein wertvolles Werkzeug, aber sie ist nicht für jeden Menschen zu jedem Zeitpunkt der richtige Weg.

Wenn Meditation Unruhe oder Anspannung auslöst, bedeutet das nicht, dass du gescheitert bist. Häufig ist es vielmehr ein Hinweis darauf, dass dein Nervensystem etwas anderes braucht als noch mehr Stille.

Achtsamkeit beginnt nicht damit, sich zu entspannen. Sie beginnt damit, wahrzunehmen, was gerade da ist – und sich selbst damit freundlich zu begegnen.